Artikel publiziert am: 09.07.11
Datum: 09.07.2011 – 13.18 Uhr
Quelle: http://www.kreiszeitung.de/nachrichten/landkreis-diepholz/stuhr/unerhoert-1314794.html

Klappernde Mühle, rauschender Bach: Künstler entführt in neue Klangwelten
Das ist ja unerhört

Heiligenrode – Von Rainer Jysch
In Zusammenarbeit mit dem britischen Klangkünstler David Strang (32) hatte Petra Klusmeyer, Lehrende an der Hochschule für Künste in Bremen (HfK), am Donnerstagabend zu einer Vernissage und Performance mit dem Titel „Sonic Peripheries#5“ in die Künstlerstätte Heiligenrode geladen.


Klangkünstler David Strang aus Plymouth im Mühlenensemble in Heiligenrode mit Ehefrau Sengul (r.). Petra Klusmeyer (l.) ist Dozentin an der Hochschule für Künste in Bremen und Leiterin des Forschungsprojektes zur Untersuchung unterschiedlichen Klangempfindens.

Die Veranstaltung ist Teil eines seit 2008 laufenden Forschungsprojektes von Petra Klusmeyer, zu dem bereits vier andere Künstler ihre Arbeiten beigetragen hatten. Das zusammen mit Studenten während eines Seminars gestaltete Ausstellungskonzept basiert auf Klusmeyers Interesse, akustische Praktiken in der Kunst zu erforschen. Die Ergebnisse fließen in eine Doktorarbeit ein. Rund ein Dutzend HfK-Studenten hatten an der jetzt zu Ende gehenden zweiwöchigen Projektarbeit mit David Strang teilgenommen, bei dem es um das Thema „Klang im Virtuellen“ ging. David Strang gilt nach den Worten von Petra Klusmeyer als Spezialist für ein künstlerisches Verfahren, das sich „mit dem Erfahrbarmachen von sonst Fremden, Ungehörten beschäftigt“. Das gewohnte Hören kann nach Strangs Methode mittels elektronischer Verstärkung und digitaler Verfremdung neu erlebt werden. Als Klangkulisse diente das Klappern, des extra für diesen Zweck zum Laufen gebrachte Mühlwerkes. Auch das Rauschen des Klosterbaches leistete seinen Beitrag.

Mit mobilen Hör-Apparaturen, bestehend aus Mikrofon und Kopfhörern, konnten sich die Besucher auf eine „Forschungsreise“ über das Mühlengelännde begeben. Alle Teilnehmer wurden gebeten, gleich anschließendihre subjektiven Erfahrungen und Wahrnehmungen als Beitrag zum Forschungsprojekt wiederzugeben. Petra Klusmeyer hatte dazu entsprechende Fragebögen verteilt. Strang arbeitet mit digitaler Verfremdung, aber auch ganz traditionell mit analogen Kassettenrekordern und Bändern. „Die sind heutzutage gar nicht so leicht zu bekommen“, sagte der 32-jährige Brite mit Blick auf den rasanten Fortschritt in der Unterhaltungselektronik. In der Galerie der Künstlerstätte hatte Strang Bandschleifen und Rekorder installiert, die eine konstante Beschallung des Raumes ermöglichten. Interaktiv konnten die Besucher selbst kleine Bandschleifen herstellen und abhören, in dem sie aus einem vorbereiteten Vorrat von bespielten Tonbändern wahllos kurze Ausschnitte heraustrennten und in leere Kassetten einsetzten. „Mir ist wichtig, dass die Leute nicht nur hören, sondern auch etwas zum Sehen und Anfassen haben. Das geht mit MP3-Musikabspielern nicht, sondern nur mit den Bändern“, sagte David Strang zu dem von ihm entwickelten Verfahren.

Die Ausstellung „Sonic Peripheries#5 – Klang im Virtuellen“ in der Künstlerstätte Heiligenrode ist noch bis morgen geöffnet; heute von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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