2009-06-28  Delmenhorster Kreisblatt

Das Spiel mit Klängen: Atemgeräusche und das Lachen des Fernsehpublikums

Nur noch heute läuft die Klanginstallation ,,Held” in der Künstlerstätte Heiligenrode

Sound-Künstler Lou Mallozzi aus Chicago hat am Freitagabend mit Tönen eine beeindruckend dichte Atmosphäre geschaffen. An diese Improvisation schließt sich heute noch eine Klanginstallation an, in der es um den freien Raum zwischen den Klängen geht. Von Katja Butschbach

Heiligenrode. Das Lachen der Fernsehzuschauer ist zunächst nur ein leises Rauschen, es verliert sich fast in dem Zuhörerraum der Künstlerstätte Heiligenrode. Wieder und wieder spielt Lou Mallozzi die kurze Aufnahme ab, und das Lachen wird immer lauter, bis es eine unerträgliche Intensität erreicht hat. Dann lösen andere Klänge das Gelächter ab – die Folge der Geräusche ist vollkommen improvisiert und wirkt fast spielerisch. Der Klangkünstler umschließt etwa das Mikrofon mit seinem Mund und lässt so ein unheimliches Summen entstehen. Oder er liest über das Vinylknistern der Schallplatte hinweg kurze Gedichte vor – und immer geht es auch um die Geste, um Bewegungen der Hand.

Lou Mallozzi hat seine Utensilien auf einem alten Schreibtisch aufgebaut: Ein Schallplattenspieler und mehrere CD-Player gehören zu der Ausrüstung, die der 52-Jährige für seine Klangimprovisation benötigt. Bewusst setzt er Geräte ein, die manchem Zuschauer veraltet vorkommen: Ihm sind die Gesten wichtig, die er beim Auflegen der Schallplatten vollführt.

Die Klänge für seine Improvisation ,,Unattended Packages” hat er über mehrere Jahre hinweg gesammelt: Ziel der Konservierung von Klängen ist für Mallozzi, sich eine möglichst facettenreiche Klangpalette zusammenzustellen. Petra Klusmeyer, Künstlerin und Lehrende an der Hochschule für Künste in Bremen, hat Lou Mallozzi aus Chicago nach Heiligenrode geholt. Ihre Studenten haben ihn bereits im Seminar kennengelernt – und haben nach der Performance einige Fragen an den Künstler. Wie viel ist improvisiert? Wie wichtig ist es, die englischen Gedichte zu verstehen?

Nach der Fragerunde geht das Erlebnis ,,Sonic Peripheries” im Nebenraum weiter: Dort ist Mallozzis Klanginstallation ,,Held” aufgebaut. An zwei Fensterscheiben sind Lautsprecher angebracht, aus denen in größeren Abständen Atemgeräusche kommen. ,,2001 habe ich die erste Version gebaut”, erklärt Mallozzi. ,,Ich habe das Ein- und Ausatmen aufgenommen.” Dabei versuchte er, so lange wie möglich den Atem anzuhalten. Diese Anspannung wird durch die Aufnahme regelrecht spürbar. Die Atemgeräusche hat er dann mit der Idee verbunden, die Lautsprecher auf zwei Seiten einer Glastür anzubringen. Die Tür trennt, ist durch ihre Beschaffenheit aber auch wieder durchlässig.

Die Studenten stellen sich direkt neben die Lautsprecher und warten auf das Atemgeräusch. Manche zucken zusammen, denn die Töne, die aus den Lautsprechern kommen, klingen mehr nach dem wütenden Fauchen einer Katze als nach dem Luftholen eines Menschen. Die Zeit zwischen den Atemgeräuschen soll der Besucher selbst füllen und erkunden, erklärt Mallozzi. Betont werde auch die Abwesenheit des atmenden Körpers. ,,Held” ist heute noch von 11 bis 18 Uhr in der Künstlerstätte Heiligenrode zu erleben.

Danach hofft Petra Klusmeyer, weitere Klangkünstler für einen Auftritt in Heiligenrode begeistern zu können. Lou Mallozzi jedenfalls gefällt die Künstlerstätte: Der Raum, in dem er seine Klanginstallation ,,Held” aufgebaut hat, sei sehr schlicht und elegant – ideal, um dort Kunst unterzubringen. ,,Ich liebe diesen Ort”, sagt er […].

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